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Was ist ein Flipbook? Definition und Beispiele

Bildung, FlipbooksWas ist ein Flipbook? Definition und Beispiele
Robert Soares Von: Robert Soares     |    

Die kurze Antwort

Ein Flipbook ist ein digitales Dokument, dessen Seiten sich wie bei einem gedruckten Buch umblättern lassen. Klicken oder wischen Sie, und die Seite blättert um. Das ist die Grundidee.

Entscheidend ist aber: Flipbooks sind für das Lesen am Bildschirm konzipiert, nicht für den Druck auf Papier. Das verändert grundlegend, wie Menschen mit ihnen umgehen.

Stellen Sie es sich so vor

Erinnern Sie sich an die kleinen Papierhefte, deren Seiten man schnell durchblättert, sodass eine Animation entsteht? Ein laufendes Strichmännchen, ein hüpfender Ball? Dasselbe Prinzip, nur anders eingesetzt.

Digitale Flipbooks übertragen dieses Umblättererlebnis auf echte Dokumente: Broschüren, Kataloge, Angebote und Berichte.

Anstatt durch ein PDF zu scrollen – was sich anfühlt, als würde man einen Kassenbon lesen –, blättern Sie durch Seiten. Das fühlt sich an, als wäre der Inhalt für Menschen gestaltet worden.

Ein einfaches Beispiel

Angenommen, Sie arbeiten bei einem Immobilienunternehmen und erstellen eine Objektbroschüre.

Als PDF: Sie versenden einen 3-MB-Anhang per E-Mail. Der Empfänger lädt ihn herunter. Vielleicht. Er öffnet ihn in irgendeinem PDF-Reader, scrollt und zoomt womöglich in die Fotos hinein. Bis zum Ende liest er wahrscheinlich nicht.

Als Flipbook: Sie versenden einen Link. Der Empfänger klickt darauf, und die Broschüre öffnet sich sofort im Browser. Die Seiten blättern mit einer flüssigen Animation um. Die Fotos erscheinen bildschirmfüllend und gestochen scharf. Auf Seite 4 ist ein virtueller Rundgang eingebettet. Sie sehen, dass der Empfänger drei Minuten mit der Broschüre verbracht und den Grundriss zweimal angesehen hat.

Derselbe Inhalt. Ein völlig anderes Erlebnis.

Warum es Flipbooks gibt

PDFs wurden 1993 erfunden. Das Ziel war einfach: Dokumente sollten auf jedem Computer gleich aussehen und sich drucken lassen.

Das ist 30 Jahre her. Die Welt hat sich verändert.

Heute werden die meisten Dokumente nie gedruckt. Sie werden auf Laptops, Tablets und Smartphones gelesen, per E-Mail oder Chat geteilt und im Browser angesehen. Die Nielsen Norman Group empfiehlt, PDFs nur für Dokumente zu verwenden, die heruntergeladen und gedruckt werden müssen, da sie beim Lesen am Bildschirm zu Usability-Problemen führen.

Technisch funktionieren PDFs weiterhin. Doch dafür wurden sie nicht entwickelt. Flipbooks schon.

Was unterscheidet ein Flipbook?

Im Wesentlichen fünf Dinge.

1. Die Umblätteranimation

Das klingt banal. Ist es aber nicht.

Wenn Sie eine Seite umblättern, registriert Ihr Gehirn: „Ich bewege mich durch etwas.“ Es entsteht ein Gefühl von Fortschritt und Entdeckung. Die nächste Seite könnte interessant sein.

Beim Scrollen entsteht dieses Gefühl nicht. Scrollen fühlt sich nach Arbeit an. Blättern fühlt sich nach Entdecken an. Von Outgrow zusammengetragene Forschungsergebnisse zeigen, dass Nutzer durchschnittlich 13 Minuten mit interaktiven Inhalten verbringen, gegenüber 8,5 Minuten mit statischen Formaten.

Verlage wissen das schon immer. Deshalb funktionieren gedruckte Zeitschriften. Digitale Flipbooks übertragen dieselbe Psychologie auf Bildschirme.

2. Anzeige im Browser

Ein Flipbook öffnet sich in jedem Webbrowser. Kein Download. Keine spezielle App. Keine Verwirrung darüber, welches Programm die Datei öffnet.

Das beseitigt Reibung. Wenn Sie einen Link teilen und jemand darauf klickt, liest die Person sofort. Sie wartet nicht auf einen Download, sucht nicht nach der Datei und muss sich nicht mit der Meldung „Dieser Dateityp wird nicht unterstützt“ herumschlagen.

3. Integrierte Interaktivität

PDFs können technisch gesehen Links enthalten. Doch die Handhabung ist umständlich, Links funktionieren oft nicht und Videos lassen sich nicht einbetten. Für interaktive Elemente brauchen Sie Adobe Acrobat oder ähnliche Tools.

Flipbooks sind von Grund auf interaktiv. Fügen Sie einen Link ein, funktioniert er. Betten Sie ein Video ein, wird es abgespielt. Platzieren Sie eine Schaltfläche, wird sie angeklickt. Die Editor-Funktionen unterscheiden sich je nach Plattform, gute Anbieter machen das aber einfach.

4. Leseranalysen

Das ist der entscheidende Punkt.

Bei einem PDF wissen Sie nichts. Wurde es geöffnet? Gelesen? Hat jemand die Preisseite gesehen? Völlig unklar.

Bei einem Flipbook wissen Sie alles: wann es geöffnet wurde, wie lange jemand darin verbracht hat, welche Seiten Aufmerksamkeit bekamen, wo Leser abgesprungen sind und auf welche Links sie geklickt haben.

Vertriebsteams lieben das. Marketingteams lieben das. Jeder, dem wichtig ist, ob seine Dokumente tatsächlich gelesen werden, liebt das.

5. Mobile-First-Design

PDFs auf Smartphones sind mühsam. Mit zwei Fingern zoomen, hin- und herscrollen, die Stelle verlieren und gegen das Layout ankämpfen. Da inzwischen mehr als 60 % des Web-Traffics von Mobilgeräten stammen, ist das wichtiger denn je.

Flipbooks passen sich der Bildschirmgröße an. Zum Umblättern wischen Sie einfach. Alles bleibt lesbar. Es funktioniert unkompliziert.

Praxisbeispiele für Flipbooks

Produktkataloge

IKEA stellte seinen gedruckten Katalog bekanntermaßen 2021 ein. Kataloge erstellt das Unternehmen aber weiterhin – nur digital.

In einem Flipbook-Katalog können Sie Produkte wie in einem gedruckten Buch durchblättern. Zusätzlich können Sie auf ein Produkt klicken, um Details aufzurufen, Montagevideos ansehen oder direkt zur Kaufseite wechseln.

Bestandsinformationen werden automatisch aktualisiert. Kein „Entschuldigung, dieser Artikel ist nicht mehr erhältlich“ mehr.

Verkaufsangebote

Ein Angebot muss überzeugen. Und Sie müssen wissen, ob es gelesen wird.

Die Tiefe der Interaktion ist hier entscheidend. Qwilrs Benchmark-Studie zu Angeboten stellte deutlich bessere Abschlussquoten fest, wenn Käufer mehr Zeit mit einem Angebot verbringen.

Das deckt sich mit den Erfahrungen aus der Praxis. Ein Nutzer auf r/marketing fasste es so zusammen: „Meiner Erfahrung nach eignen sich ein PDF (oder etwa ein Online-Flipbook) und eine Infografik am besten. Eine Präsentation nur dann, wenn man sie dem Kunden tatsächlich vorführt."

Angebote als Flipbook wirken professionell. Die Umblätteranimation steigert den wahrgenommenen Wert. Video-Testimonials lassen sich direkt abspielen, interaktive Diagramme funktionieren nativ. Und wenn ein Interessent das Angebot um 21 Uhr öffnet und acht Minuten darin verbringt, wissen Sie genau, wann Sie nachfassen sollten.

Zeitschriften und Newsletter

Digitale Zeitschriften gehörten zu den ersten Anwendern von Flipbooks. Das leuchtet ein: Das Format entspricht dem, was Leser aus Printmedien kennen.

Ein monatlicher Newsletter wird zu etwas, das man gern durchblättert, statt zu einer weiteren langen E-Mail, die nur überflogen wird. Geschäftsberichte werden teilbare, gut durchsuchbare Dokumente statt 80-seitiger PDFs, die niemand zu Ende liest.

Schulungs- und Onboarding-Materialien

„Haben alle die Compliance-Schulung abgeschlossen?“

Bei PDFs müssen Sie raten. Bei Flipbooks haben Sie Daten: Wer hat sie geöffnet? Wer hat sie beendet? Wer hängt seit einer Woche auf Seite 2 fest?

Außerdem können Schulungsmaterialien Videoerklärungen, anklickbare Quizfragen und Links zu weiterführenden Ressourcen enthalten. Alles in einem Dokument.

Immobilien- und Objektmarketing

Objektbroschüren sind von Natur aus visuell. In Flipbooks können Sie hochauflösende Fotos so präsentieren, dass Leser sie wirklich gut erkennen. Betten Sie virtuelle Rundgänge und Finanzierungsrechner ein oder verlinken Sie auf Terminbuchungsseiten.

Ein einziges Flipbook ersetzt eine PDF-Broschüre, ein Objektvideo und eine Reihe von weiterführenden Links.

Wie erstellt man ein solches Dokument?

Der Prozess ist einfacher, als Sie vielleicht erwarten.

  1. Erstellen Sie Ihr Dokument mit dem Tool, das Sie ohnehin verwenden: Canva, PowerPoint, InDesign oder Word. Exportieren Sie es als PDF.
  2. Laden Sie es auf eine Flipbook-Plattform hoch. Die Konvertierung dauert nur Sekunden. Ihr PDF wird automatisch zu einem Flipbook mit Umblätteranimation.
  3. Passen Sie es an, wenn Sie möchten. Fügen Sie Ihr Logo hinzu, verwenden Sie Ihre Markenfarben und ergänzen Sie Links oder Videos.
  4. Teilen Sie es über einen Link oder betten Sie es in Ihre Website ein.

Das war's. Konkrete Schritte finden Sie in unserer ausführlichen Anleitung zum Erstellen eines Flipbooks aus einem PDF.

Flipbooks vs. PDFs: der ehrliche Vergleich

Natürlich sind wir voreingenommen. Hier ist trotzdem die sachliche Gegenüberstellung.

Was Sie möchtenPDFFlipbook
Dokument druckenFunktioniert hervorragendZuerst exportieren
Am Bildschirm lesenAkzeptabelDafür entwickelt
Einen Link teilenBedingt (gehostet oder als Anhang)Ja, immer
Leser nachverfolgenNeinJa
Video hinzufügenNeinJa
Nutzung auf MobilgerätenUmständlichFlüssig
Interaktiv gestaltenSchwierigEinfach
Nach dem Teilen aktualisierenDatei ersetzen und hoffen, dass sie erneut heruntergeladen wirdÄnderungen erscheinen automatisch

PDFs sind nicht schlecht. Sie wurden nur nicht dafür entwickelt, wie Dokumente heute genutzt werden.

Wann sollten Sie ein Flipbook verwenden?

Verwenden Sie ein Flipbook, wenn:

  • Sie etwas teilen, das am Bildschirm gelesen werden soll
  • Sie wissen möchten, ob die Empfänger es tatsächlich lesen
  • Sie interaktive Elemente benötigen (Links, Videos, Schaltflächen)
  • das Dokument Ihre Marke repräsentiert
  • Sie es breit verteilen möchten, ohne Download-Hürden

Bleiben Sie beim PDF, wenn:

  • das Dokument hauptsächlich gedruckt wird
  • Sie rechtsgültige Unterschriften benötigen
  • es der Archivierung oder als Compliance-Nachweis dient
  • Leser ausdrücklich eine Offline-Datei benötigen
  • die Zielgruppe ein PDF erwartet, etwa bei juristischen Dokumenten oder technischen Spezifikationen

Probieren Sie es selbst aus

Am besten verstehen Sie Flipbooks, indem Sie selbst eines erstellen.

Nehmen Sie ein PDF, das Sie bereits haben – etwas, das Sie Kunden schicken oder mit Ihrem Team teilen. Laden Sie es bei Flipbooker hoch und sehen Sie sich das Ergebnis an. Teilen Sie es beim nächsten Mal statt des PDFs.

Werfen Sie anschließend einen Blick in die Analysen. Sehen Sie, wer es geöffnet hat, wie lange die Person darin verbracht und was sie angesehen hat.

Die meisten Menschen sind vom Unterschied überrascht. Nicht nur davon, wie es aussieht, sondern auch davon, was sie über ihre Leser erfahren.

FAQs

Ist ein Flipbook dasselbe wie ein E-Book?

Nicht ganz. E-Books sind in der Regel textlastige Inhalte, die für längeres Lesen gedacht sind. Flipbooks können jede Art von Dokument sein und sind oft visueller, kürzer oder eher zum Durchblättern als zum linearen Lesen konzipiert.

Funktionieren Flipbooks auf Smartphones?

Ja. Gute Flipbook-Plattformen sind für Mobilgeräte optimiert. Sie wischen zum Umblättern, und alle Inhalte passen sich der Bildschirmgröße an.

Kann ich nachverfolgen, wer mein Flipbook liest?

Ja. Die meisten Plattformen zeigen Aufrufzahlen, Verweildauer und die Interaktion pro Seite. Um einzelne Leser nachzuverfolgen, können Sie eine E-Mail-Abfrage nutzen oder individuelle Links versenden.

Was kostet eine Flipbook-Plattform?

Es gibt kostenlose Tools, diese haben aber meist Wasserzeichen und eingeschränkte Funktionen. Kostenpflichtige Plattformen liegen je nach Funktionsumfang üblicherweise zwischen 8 und 60 US-Dollar pro Monat.

Können Suchmaschinen Inhalte in Flipbooks finden?

Das hängt von der Plattform ab. Gute Anbieter machen Ihre Inhalte indexierbar, sodass der Text über Suchmaschinen auffindbar ist.